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Artikel zur Konusbrücke auf Implantaten
Step-by-Step
Die abnehmbare implantatgestützte Brücke
Immer häufiger äußern zahnlose Patienten mit hohen Ansprüchen an Tragekomfort, Ästhetik und Sicherheit den Wunsch nach implantatgetragenem Zahnersatz. Um eine ausreichende Hygienefähigkeit der Implantate sicherzustellen, ohne dabei ästhetische und funktionelle Einbußen in Kauf zu nehmen, ist häufig eine Lösung mit abnehmbarem Zahnersatz indiziert. Dessen Ästhetik sollte jedoch festsitzendem Zahnersatz möglichst nahekommen. Mit der folgenden Vorgehensweise kann dieser Spagat nachvollziehbar und sicher gemeistert werden.

ZTM Thomas Walsdorff/Sindelfingen

Der Schlüssel zum Erfolg liegt hierbei bereits vor der Implantation. Backward Planning macht es möglich, ästhetische und funktionelle Aspekte bereits im Vorfeld zu berücksichtigen und in die Implantatplanung einfließen zu lassen. Mit intraoperativen Bohrschablonen auf der Basis einer dreidimensionalen computergestützten Implantatplanung (hier Fa. med3D) können die Implantate in eine prothetisch sinnvolle Position gebracht werden. Grundlage hierfür sind CT- oder DVT-Aufnahmen des Patientenkiefers.

Set-up für die CT/DVT-Schablone

Zunächst werden Arbeits-, Gegen- und Situationsmodell hergestellt und nach Bissnahme einartikuliert. Dann wird ein Set-up mit röntgenopaken Konfektionszähnen erstellt. Alternativ können herkömmliche Zahngarnituren dubliert und mit einem Bariumsulfat-Kunststoffgemisch (circa 20 Prozent Bariumsulfat) ausgegossen werden. Die Zähne werden in einem lichthärtenden Schienenmaterial aufgestellt, das mit Bariumsulfat angereichert wird. Nach anschließender Polymerisation erfolgt die Ausarbeitung unter Berücksichtigung des anatomischen Verlaufs (Wurzelanteile).

Legobaustein als Referenz

Über das auf dem Modell fixierte Set-up wird eine Tiefziehfolie gezogen und ausgearbeitet. Als Referenzobjekt wird ein Legobaustein in die Schiene oberhalb der Okklusionsebene einpolymerisiert. Zum einen sind Legobausteine röntgenopak und somit auf der späteren CT/DVT-Aufnahme sichtbar und zum anderen ist die präzise Passung der Bausteine aufeinander ein Garant für die sichere Umsetzung der virtuellen Planung in die Realität.
Als zusätzliche Sicherheitsmarken dienen Guttaperchastifte, die seitlich im Molarenbereich unterhalb des Gingivalsaumes angebracht werden. Um Einstrahlungen von Metallartefakten in den Referenzbaustein zu verhindern, werden Bissklötzchen zur Bisssperrung so auf der Schablone angebracht, dass der Baustein frei zwischen den Zahnreihen steht (Abb. 1).

Abb. 1: CT-Schablone
mit Referenzbaustein
und Bissklötzchen

Abb. 2: Die Position
der Sicherheitsmarken
wird geprüft

Abb. 3: Die Bohrung
für die Aufnahme der
Bohrhülse erfolgt
Tipps für die CT/DVT-Aufnahme

Nach erfolgreicher Anprobe der CT/DVT-Schablone erfolgt die CT/DVT-Aufnahme vom Kiefer des Patienten. Bewährt hat sich die Begleitung des Patienten zum Radiologen durch den Behandler oder Techniker, um sicherzustellen, dass sich die Schiene bei der Aufnahme korrekt in situ befindet. Vorteilhaft sind auch Tipps, wie sich der Patient bei der Aufnahme zu verhalten hat (nicht schlucken, flach atmen). Damit können Bewegungsartefakte vermieden werden. Der Dicom-Rohdatensatz wird nun auf CD gebrannt und ins Implantatplanungssystem auf dem PC übertragen.

Implantatplanung und Bohrschablone

Die Planung erfolgt durch den Behandler. Von Vorteil ist die Assistenz durch den Techniker, um die chirurgisch mögliche mit der prothetisch wünschenswerten Implantatposition abzugleichen. Anschließend wird die CT-Schablone in die intraoperative Bohrschablone umgearbeitet. Dazu wird sie in den Positionierer X1 med3D (Fa. Schick Dental) eingegipst. Es findet eine Prüfung statt, ob virtuelle und reale Situation übereinstimmen. Dazu müssen die zusätzlichen Sicherheitsmarken (Guttaperchastifte, Abb. 2) exakt, wie in der Planung festgelegt, angebohrt werden. Hierfür wird der Positionierer gemäß den ermittelten Daten programmiert. Der Bohrplan dient ebenso als Grundlage für die Bohrungen in die Schablone zur Aufnahme der Bohrhülsen. Diese werden in die Bohrschablone einpolymerisiert (Abb. 3 und 4).

Kontrollen bieten Sicherheit

Anschließend wird die Schablone auf dem Kontrollbrett mittels eines Kontrollblatts abermals kontrolliert (Abb. 5). Damit kann auch der Implantologe nachvollziehen, dass eine exakte Übertragung der Planung in die reale Situation stattgefunden hat. Ein Ausdruck des chirurgischen Plans für den Implantologen gibt Auskunft über ausgewählten Implantathersteller, Typ, Länge und Durchmesser des Implantats und Bohrtiefe, gemessen ab der Oberkante der Bohrhülse.

Abb. 4: Die Bohrhülse
wird eingebracht und
einpolymerisiert

Abb. 5: Bohrschablone
wird mittels Kontroll-
blatt überprüft

Abb. 6: Die Bohr-
schablone von basal
Die abnehmbare Brücke auf Implantaten

Nach der Implantation und Einheilphase erfolgt die Freilegung der Implantate mit anschließender Abformung und Bissnahme. Die Anfertigung der abnehmbaren Brücke erfolgt vorzugsweise nach dem Weigl-Protokoll (OA Dr. Paul Weigl, Universität Frankfurt am Main), einer Methode, die einen absolut spannungsfreien Sitz der Arbeit im Mund des Patienten garantiert. Hierbei handelt es sich um Konusprothesen, bei denen die Sekundärkoni galvanisch hergestellt werden. Die Tertiärstruktur aus NEM wird im Mund spannungsfrei mit den Sekundärkoni verklebt, und zwar nach dem Einzementieren der Primärkoni.
Für die Dauer bis zur Fertigstellung erhält der Patient eine sogenannte Reiseprothese, die er auch nach Eingliederung der abnehmbaren Brücke als Ersatz zum Beispiel bei einer Reparatur der Brücke tragen kann.

Herstellung der Primärkoni

Nach abgeschlossener Arbeitsvorbereitung wird das Set-up für die Modellation der Primärkoni erstellt (1°- oder 2°-Fräsung). Hierzu können die Silikonvorwälle aus der Set-up-Herstellung für die Bohrschablone verwendet werden. Als Material für die Primärkoni kommen Gold, Zirkonoxid oder NEM zur Anwendung.
Bei der anschließenden Einprobe der Primärkoni erfolgt eine Bissnahme mit einem primär implantatgestützten Bissregistrat aus lichthärtendem Löffelmaterial, je nach Pfeilerlage mit zusätzlicher, gingivaler Abstützung. Fingerbänkchen erleichtern die sichere Adaption, leichte okklusale Impressionen der Antagonisten ermöglichen eine exakte Bissnahme.

Sekundärkoni und Tertiärstruktur

Die folgende Galvanisierung der Sekundärkoni erfolgt vorzugsweise direkt auf den mit Silberleitlack beschickten Primärkoni. Nach Bearbeitung, Absäuern und Reinigung der Galvano-Sekundärkoni erfolgt das endgültige Set-up mit geeigneten Konfektionszähnen. Anschließend werden Silikonvorwälle hergestellt. Das Modell wird nun für die Modellguss-Modellation vorbereitet und anschließend dubliert. Beim Einbettmassemodell empfiehlt sich eine Kerneinbettung im Bereich der Koni zur Erhöhung der Expansion. Dies ermöglicht eine Spielpassung des Modellguss (MG) für eine spannungsfreie Verklebung.
Anschließend wird die Tertiärstruktur auf dem Einbettmassemodell unter Berücksichtigung des Set-ups modelliert. Die ausgearbeitete Tertiärstruktur erhält okklusale Bissstops aus lichthärtendem Löffelmaterial.

Die Reiseprothese

Das Arbeitsmodell wird mit den aufgesetzten Primär- und Sekundärkoni (als Platzhalter) dubliert, in Superhartgips ausgegossen und einartikuliert. Basis für die Reiseprothese ist das vor der MG-Modellation erstellte Set-up. Die Fertigstellung erfolgt mit Kaltpolymerisat.

Abb. 7: So grazil
sieht die Brücke von
palatinal aus

Abb. 8: Primärkoni
auf dem Modell

Abb. 9: Fertiggestellte
Konusbrücke
auf dem Modell
Spannungsfreie Verklebung im Mund

Beim anschließenden Praxistermin werden die Primärkoni bereits definitiv eingesetzt. Die Tertiärstruktur wird mit den Galvano-Skundärkoni mittels geeignetem Kleber verklebt. Anschließend wird der Biss geprüft und neu verschlüsselt. Es erfolgt eine erneute Abformung über die Tertiärstruktur, da das Meistermodell durch die im Mund des Patienten verbliebenen Primärkoni nicht weiterverwendet werden kann. Nach dem anschließenden Einsetzen der Reiseprothese haben Patient und Behandler den Großteil überstanden. Für eine softe Friktion wird punktuell im Bereich der Koni mit weichbleibendem Unterfütterungssilikon direkt unterfüttert. Die Überprüfung von Funktion und Ästhetik der Reiseprothese bildet den Abschluss des Termins. Hier kann der Patient auch Korrekturwünsche äußern, die in die Fertigstellung der abnehmbaren Brücke einfließen.

Auf- und Fertigstellung der abnehmbaren Brücke

Im Labor werden nun die Sekundärkoni und Brückenglieder mit Polymerglas verblendet und die Konfektionszähne aufgestellt. Dann erfolgt eine Funktions- und Ästhetikeinprobe der abnehmbaren Brücke. Bei der Fertigstellung kann die Basis sehr grazil gestaltet werden. Dies wird durch die stabile Tertiärkonstruktion und den absolut spannungsfreien Sitz ermöglicht. Nicht zuletzt tragen auch die mit Hilfe des Backward Plannings positionierten Implantate zur optimalen Funktion und grazilen Gestaltung der Suprakonstruktion bei. So erhält der Patient höchsten Komfort und individuelle Ästhetik.

Abb. 10: Grazile
Basis-Gestaltung für
mehr Tragekomfort

Abb. 11: Anatomische
Gestaltung der
Palatinalflächen

Abb. 12: Einzemen-
tierte Primärkoni

Abb. 13: Fertige Arbeit
im Mund der Patientin
Quelle: Dentalzeitung 1/2009, Seite 48

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