Technischen Fortschritt gibt es auch beim Zahnersatz. Insbesondere die moderne Implantologie bietet Möglichkeiten,
den gestiegenen Ansprüchen der Patienten entgegenzukommen, wie Zahnntechnikermeister Thomas Walsdorff im Interview erklärt.
Herr Walsdorff, was sind die aktuellen Trends beim Thema Zahnersatz?
Patienten fragen zum Beispiel immer mehr nach Versorgungen auf der Basis von Zahnimplantaten.
Die gibt es zwar schon seit über 30 Jahren - natürlich mit ständigen Weiterentwicklungen.
Ihr Anteil an den zahntechnischen Versorgungen insgesamt ist jedoch deutlich gestiegen.
Woran liegt das?
Zum einen sind die Patienten anspruchsvoller geworden. Mit einer Totalprothese ohne
weitere Verankerung sind viele nicht mehr zufrieden. Sie wollen
mit ihren dritten Zähnen ohne Einschränkungen sprechen, lachen und essen
können. Bei Einzelzahnverlust sind die Patienten oft nicht mehr bereit, gesunde
Nachbarzähne für eine Brücke beschleifen zu lassen. Zum anderen gibt es mehr Sicherheit
durch neue Technologien für Implantologen und Patienten.
Um welche Technologien handelt es sich dabei?
Heutzutage hat der Zahnarzt die Möglichkeit, die Implantate mit Hilfe einer Bohrschablone auf der Grundlage
einer dreidimensionalen Planung am Computer zu setzen. Dazu wird zu Beginn der
Behandlung vom Dentallabor für den Patienten eine Schablone mit künstlichen
Zähnen angefertigt. Damit geht der Patient zur Computertomografie oder
digitalen Volumentomografie. Die CT- beziehungsweise DVT-Daten vom
Patientenkiefer mit getragener Schablone werden in den Computer eingelesen. Dort
bestimmt der Zahnarzt mit einer speziellen Software die optimale Position der
Implantate mittels 3D-Simulation. Dabei berücksichtigt er den Verlauf der Nerven
sowie das Knochenangebot.
Mit den Daten aus der Computerplanung bringt das Dentallabor
Bohrhülsen in die Schablone ein. Sie geben Länge und Richtung der Bohrung vor.
Dadurch wird der Implantologe bei der Operation sicher geführt. Die OP verkürzt
sich erheblich, und für Zahnarzt und Patienten gibt es weniger Stress und Risiko.
Wie lange halten Implantate und was kosten sie?
Die Lebensdauer ist von vielen Faktoren abhängig. Prinzipiell können Implantate genauso lange halten
wie natürliche Zahnwurzeln. Da spielt selbstverständlich auch die Mundhygiene eine
Rolle. Es gibt ja Ursachen dafür, dass die eigenen Zähne nicht mehr vorhanden
sind. Diesen muss man auf den Grund gehen. Und darüber hinaus muss die Suprakonstruktion -
also der auf den Implantaten aufgebrachte Zahnersatz - stimmen,
damit sich die Implantate nicht zum Beispiel durch Fehlbelastungen lockern.
Zu den Kosten: Eine Implantatversorgung ist nicht billig. Klarheit bringt nur ein individueller Kostenvoranschlag.
Auch muss geklärt werden, welchen Anteil die Krankenkasse oder die private
Krankenversicherung übernimmt. Auf der anderen Seite profitiert der Patient
täglich davon, und das ist eine Menge wert.
Welche Arten des Zahnersatzes kann man auf die Implantate aufbringen?
Da gibt es alle Möglichkeiten des festsitzenden und herausnehmbaren Zahnersatzes. Das geht von
einzementierten Kronen oder Brücken aus Goldlegierungen, Nichtedelmetall (NEM),
Titan oder Vollkeramik bis hin zu abnehmbaren Teleskop-Brücken. Der Halt entspricht
dem bei natürlichen Zahnstümpfen. Für die Patienten bedeutet das einen enormen Gewinn
an Lebensqualität.
Wohin geht die Entwicklung im festsitzenden Bereich?
Schon länger beobachten wir, dass zunehmend Inlays, Kronen und Brücken aus Vollkeramik nachgefragt
werden. Die klassischen Metallkeramik-Arbeiten, das heißt keramisch verblendete Metallgerüste,
haben nach wie vor ihre Berechtigung, doch der Anteil an Vollkeramikversorgungen
steigt. Das liegt nicht zuletzt auch an dem hohen Goldpreis. Man sollte in jedem Fall die
Indikation vom Zahnarzt prüfen lassen. Nicht jede Ausgangssituation ist für Vollkeramik geeignet.
Was sind die Vorteile von Vollkeramikversorgungen?
Der Vorteil liegt vor allem in der Ästhetik. Dadurch, dass die Keramik lichtdurchlässig ist -
man sagt transluzent - erhalten Sie ein Ergebnis, das dem natürlichen Zahn am nächsten
kommt. Darüber hinaus gibt es bei Vollkeramik keinen Kronenrand aus Metall. Der Effekt,
dass Metallionen auf das Zahnfleisch übergehen und es dunkel verfärben können, entfällt.
Das heißt, auch die Zahnfleischästhetik ist besser. Dabei ist die Stabilität und Haltbarkeit
mittlerweile so gut wie bei Metallkeramikversorgungen.
Meistens kommt die Hochleistungskeramik Zirkonoxid zum Einsatz, die in der
Medizin schon mehr als 30 Jahre zum Beispiel auch bei Hüftgelenksimplantaten verwendet
wird. Die Verträglichkeit insbesondere auch für Allergiepatienten ist optimal.
Quelle: Magazin Wirtschaft 1/2009 der IHK Region Stuttgart, Seite 52, Special: Gesundheit